„Bin nach wie vor sehr neugierig“

Kommunales

Meinung am Montag: Seit dem Sommer bietet Sozialdezernentin Beate Steeg (SPD) Bürgersprechstunden in den Ludwigshafener Stadtteilen an. Ende letzter Woche hatte sie alle zehn Ortsbezirke einmal besucht. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr kann sie sich durchaus vorstellen. Ein Gespräch über bezahlbare Wohnungen, Änderungswünsche und ihr erstes Jahr im Amt.

Frau Steeg, wie kam es zu Ihren Sprechstunden in den Stadtteilen. Hat die Politik zu wenig Kontakt zu den Bürgern?
Die Sprechstunden sind ein Angebot. Für manche ist es eine Überwindung, zu uns zu kommen. Manche sind nicht so forsch und trauen sich nicht. Auch E-Mails zu schreiben, liegt nicht jedem. Deshalb wollte ich vor Ort sein. Auch, weil es teilweise um stadtteilspezifische Probleme geht. Es ist mir wichtig, mehr auf die Bürger zuzugehen.

Wird das Angebot genutzt?
Es ist durchwachsen. In Rheingönheim kam zum Beispiel niemand. Da habe ich die Zeit für ein Gespräch mit dem Ortsvorsteher genutzt. In anderen Fällen waren zwischen einem und fünf Menschen da. Es ist ja nur eine Stunde, und ich möchte mir für jeden einzelnen Zeit nehmen. Mit einem Fall in der Gartenstadt waren zum Beispiel mehrere Stellen hier bei der Verwaltung beschäftigt. Das dauerte dann länger. Meistens ging es in den Gesprächen, egal ob mit Älteren oder Jüngeren, ums Thema Wohnen.

Also darum, eine bezahlbare Wohnung zu finden?
Genau. Aber es kamen auch Bürger, die sich mit wachen Augen in ihrem Stadtteil umschauen und Anregungen dabei hatten.

Welche Anregungen waren das zum Beispiel?
Das ging von Barrierefreiheit bei den Gehwegen oder Haltestellen bis hin dazu, dass man Bänke aufstellen oder an anderen Stellen wieder abbauen sollte, weil sich dort ständig Jugendliche aufhalten.Bänke aufzustellen ist aber nicht primäre Aufgabe der Sozialdezernentin.(lacht) Nein. Aber ich vertrete in den Sprechstunden ja auch irgendwie die Stadt. Wenn dann Dinge an mich herangetragen werden, die zum Beispiel im Baudezernat verortet sind, gebe ich das weiter. Das ist ja klar.

Sie sind auch für das Thema Integration zuständig. Gab es dazu Fragen?
Gar nicht. Was Asylbewerber angeht, versuchen wir in Ludwigshafen weiterhin, nicht nur Fälle abzuarbeiten, sondern beispielsweise mit dem Ehrenamt zu kommunizieren und es zu unterstützen oder auf Sprachkurse der Volkshochschule zu verweisen. Nur weil es weniger Zuweisungen geworden sind, ist unsere Arbeit nicht beendet. Wir setzen uns dafür ein, dass es weiterhin ruhig bleibt.Was waren außer Wohnen weitere Themen, die bei den Bürgersprechstunden mehrfach angesprochen wurden?Das waren Themen aus dem Sozialleistungsbereich. Es ging um Hilfe zur Pflege oder auch mal darum, einen Wohnheimplatz zu finden, weil es mit ambulanter Pflege nicht mehr machbar ist. Das waren eher einzelfallbezogene Gespräche.Wissen die Ludwigshafener, was eine Sozialdezernentin macht? Kennen die Menschen Sie als Person überhaupt schon?Manche ja, manche auch nicht. Da musste ich ein bisschen erklären, was ich mache. Ich versuche immer, die Augenhöhe herzustellen, egal wer vor mir sitzt.

Die Leute kamen mit Veränderungswünschen. Wie oft mussten Sie sagen: Dafür ist in Ludwigshafen leider kein Geld da?
Darauf musste ich ganz grundsätzlich häufiger hinweisen. Aber die Menschen kommen nicht mit großen Dingen. Es war nichts dabei, wo ich direkt vor Ort hätte sagen müssen: Das geht jetzt gar nicht. Und die Bürger erhalten nach der Sprechstunde auch eine Rückmeldung.

Wie sieht das konkret aus?
Es kann passieren, dass wir nicht helfen können. Aber wir versuchen es und melden uns auf jeden Fall bei den Menschen. Alles andere wäre unfair. Schaufensteraktionen mache ich nicht. Wenn ich so etwas anbiete und jemand sich mit Vertrauen an mich wendet, möchte ich dieses Vertrauen auch bestätigen.

Ihr erstes Jahr Amtszeit ist fast vorbei. Wie war’s denn bislang?
Mittendrin und nicht nur dabei. Es ist wie im Fluge vergangen. Es war insgesamt positiv. Ich bin nach wie vor sehr neugierig und lerne immer noch dazu. Die Verantwortung gehört natürlich auch zu einem solchen Amt, und auch, dem einen oder anderen zu sagen: So geht das nicht. Ich versuche aber immer, es zu erklären.

(Rheinpfalz vom 19.11.2018)