„Wieder stärkste Kraft werden“

Kommunales

Meinung am Montag: David Guthier ist am Freitag als SPD-Vorsitzender in Ludwigshafen im Amt bestätigt worden. Der 28-jährige Parteichef wird als Spitzenkandidat und designierter Fraktionschef in die Kommunalwahl 2019 ziehen. Wir haben mit ihm über verlorenes Vertrauen bei den Wählern, politische Ziele und seinen neuen Namen gesprochen.

Herr Guthier, Glückwunsch zur Hochzeit.
Dankeschön.

Sie haben den Namen Ihrer Frau angenommen. Ist das ein Nachteil, weil Sie in Ludwigshafen ja als David Schneider bekannter sind?
Das war eine persönliche Entscheidung, die ich sicher nicht von politischen Fragen abhängig mache. An den neuen Namen wird man sich schnell gewöhnen, da mache ich mir keine Sorgen.

Neben dem neuen Nachnamen haben Sie seit August auch einen neuen Job. Sie arbeiten jetzt als Assistent der Geschäftsführung einer Ludwigshafener Rechtsanwaltskanzlei. Dabei hatten Sie gerade Ihr Lehramtsstudium abgeschlossen. Warum der Berufswechsel?
Ich wollte einmal etwas anderes machen. Ich kam von der Schule an die Uni und dann wieder als Referendar an die Schule. Ich finde es wichtig, auch außerhalb des Systems Schule Berufserfahrungen zu sammeln. Für mich ist das abgeschlossene Zweite Staatsexamen eine wichtige Grundlage und es ist nicht ausgeschlossen, dass ich irgendwann im Lehramt arbeiten werde.

Was machen Sie im neuen Job als Nicht-Jurist?
Es geht darum, Arbeitsprozesse vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung neu und effizienter zu gestalten. Das ist ja keine juristische Tätigkeit.

Auch in Ihrer politischen Arbeit ändert sich einiges für Sie. Die SPD tritt mit Ihnen als Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl im Sommer 2019 an. Das bedeutet, Sie werden neuer Fraktionschef im Stadtrat?
Ich stehe dafür zur Verfügung – vorausgesetzt die dann neue Fraktion unterstützt das.

Wollte die aktuelle Fraktionschefin Heike Scharfenberger nicht mehr?
Es war ihre persönliche Entscheidung, nicht mehr für den Stadtrat zu kandidieren. Wir sind in einem sehr vertrauensvollen Austausch und es war ihr Wunsch, dass ich die Nachfolge übernehme. Ich mache total gerne Kommunalpolitik für Ludwigshafen, daher bin ich dazu gerne bereit.

Wird es mit Ihnen eine Neuauflage der großen Koalition zwischen SPD und CDU im Rat geben?
Wir haben eine vertragliche Vereinbarung, die bis zur Kommunalwahl gilt. Bei der Wahl wollen wir wieder stärkste Kraft werden. Ohne uns soll es keine Mehrheiten geben. Die Frage, welche Bündnisse danach in Frage kommen, stellt sich erst mit dem Wahlergebnis. Wir sind offen für Kooperationen mit allen demokratischen Parteien. Uns geht es darum, möglichst viele unserer Ziele, wie beispielsweise die Schaffung von ausreichend bezahlbarem Wohnraum, umzusetzen. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass es nach der Wahl einen Stadtrat mit vielen kleinen Fraktionen geben wird. Wir müssen sehen, was möglich ist und was dann auch trägt.

Die Stadtratsfaktion steht vor einem Umbruch, oder?
Es gibt einige verdiente SPD-Stadträte, die aufhören, wie zum Beispiel Udo Scheuermann, der 40 Jahre im Rat war. Natürlich gibt es da einen Umbruch, es wird auch neue Gesichter auf aussichtsreichen Plätzen auf unserer Wahlliste geben. Das wird neue Impulse bringen, die für uns wichtig sind. Trotzdem gibt es noch genügend erfahrene Kolleginnen und Kollegen, die weiter machen. Wichtig ist mir, dass die Mischung stimmt. 

Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen auf die Wahl Ende Mai?
Wir erstellen gerade unsere Kandidatenliste für den Stadtrat und bereiten unseren Programmprozess vor. Im Herbst soll die Liste beschlossen werden. Für die Ortsbeiräte sind in den Stadtteilen die Ortsvereine verantwortlich.

Die SPD ist bundesweit im Stimmungstief. Wie wollen Sie die Wähler in Ludwigshafen von sich überzeugen?
Wir sind die Kümmererpartei. Darauf müssen sich die Menschen verlassen können. Wir haben schon mit der Aktion „Wo drückt der Schuh?“ angefangen. Da gehen wir in den Stadtteilen zu den Menschen, klingeln bei ihnen und suchen den direkten Austausch. Die SPD hat immer noch großes Potenzial in der Stadt. Wir wollen auch bei denjenigen neues Vertrauen schaffen, die das Vertrauen in uns verloren haben. Wir wollen nah dran sein an den Leuten und die Themen aufgreifen, die ihnen wichtig sind. Das sind oft nicht die großen Bundesthemen, sondern Dinge wie ein barrierefreier Zugang zu einem Gemeinschaftshaus in einem Stadtteil.

Wählen Sie für Ihre Aktion gezielt einzelne Stadtteile anhand von Wahlergebnissen aus?
Ja, wir machen das gezielt dort, wo wir ein hohes Potenzial haben, das wir aber nicht ausschöpfen konnten. Oftmals haben wir dort Wähler an die AfD verloren. Das wollen wir ändern.

Zählt dazu auch das Projekt Quartierbüro in der Ernst-Reuter-Siedlung in der Gartenstadt?
Ja, das gehört zusammen, und ich bin der Landespartei für dieses Engagement in Ludwigshafen dankbar. Wir haben damit Erfolg. Die Leute aus der Siedlung kommen in unser Büro und sehen, die sind nicht nur drei Wochen vor der Wahl für uns da. Auch damit wollen wir wieder Vertrauen zu uns schaffen. Aus den Soziale-Stadt-Projekten, zu denen auch Quartiersarbeit gehört, wissen wir, dass man eineinhalb bis zwei Jahre braucht, bis konkrete Ergebnisse erkennbar sind. Auf diesem Weg sind wir. Es läuft gut.

Sie sind mit 24 Jahren SPD-Chef geworden, mit 28 werden Sie die Fraktion im Stadtrat führen. Was kommt, wenn Sie 30 Jahre alt sind. Werden Sie dann Berufspolitiker sein?
Ich schließe nicht aus, dass sich diese Frage für mich irgendwann stellt. Aber man muss sich gut überlegen, ob man das will. Ich habe gerade geheiratet und in absehbarer Zeit steht bei mir die Familiengründung an. Ich mache keine Karriereplanung von A bis Z. Sollte sich die Frage irgendwann stellen, dann müsste ich mir das gemeinsam mit meiner Familie überlegen.

(Rheinpfalz vom 13.08.2018)