Ortsvorsteher Antonio Priolo zur Sanierung West

Kommunales

Interview mit dem Ortsvorsteher Antonio Priolo zur Sanierung West

Als Ortsvorsteher der Stadtteile Nord-Hemshof und West und als Stadtrat habe ich hohe Erwartungen an den Erfolg der Sanierung West. An mich werden allerlei Wünsche und auch Befürchtungen und Beschwerden seitens der Bewohner und Eigentümer des Sanierungsgebiets und der im Stadtteil aktiven Personen herangetragen.

 

Was mir grundlegend auffällt ist, dass des Öfteren das Negativimage des Stadtteils zum Thema gemacht wird. Dem kann ich entgegen halten, dass gerade im Sanierungsgebiet sehr viele gute Leute wohnen, die diesen Wohnort auch ganz gezielt ausgewählt haben. Denn sie haben festgestellt, dass man in diesem kleinen Stadtteil wunderbar leben kann. Obwohl noch vieles verbessert werden muss - die nächsten drei Jahre bis zum voraussichtlichen Abschluss der Sanierung sollten dafür intensiv genutzt werden - so ist West auch jetzt schon ein attraktiver Wohnstandort.

 

Das Negativimage ist nur stellenweise gerechtfertigt. Beispielsweise leistet die vorhandene Kneipenszene mit Geldspielautomaten in der Valentin-Bauer-Straße ihren Beitrag dazu. Es wäre schön, wenn es gelänge, einen Teil der vorhandenen Spielautomatenkneipen dazu zu bewegen, die Automaten abzuschaffen. Denn es fehlt im Zentrum von West ein richtiges Café, das für Familien mit Kindern und auch für Senioren attraktiv ist und das Kaffee und Kuchen - vielleicht auch sonntags - anbietet. Das würde nämlich eine ganz andere Kundschaft anziehen und dem Stadtteil - und nicht nur den Kneipenpächtern - richtig gut tun.

 

Übrigens ist es uns im Ortsbeirat gelungen, einen anderen, von den Bewohnern des Sanierungsgebiets viel beklagten Kritikpunkt zu beseitigen: Wir haben nämlich dafür gesorgt, dass der Flohmarkt auf dem Gelände des Güterbahnhofs, der an den Wochenenden viel Parksuchverkehr, Lärm und Dreck verursacht hat, zum Jahresende 2013 geschlossen worden ist.

 

Ein weiterer Stein des Anstoßes, der an mich herangetragen wurde, ist der - außerhalb des Sanierungsgebiets liegende - Spielplatz Volkerstraße. Denn dieser gleicht oftmals eher einer Müllhalde als einem Aufenthaltsort für die Bewohner. Ich würde die Ablagerung von Müll und vor allem Sperrmüll hier aber auch im Mehrfamilienhausgebiet und in der Valentin-Bauer-Siedlung derzeit als eines der größten Probleme des Stadtteils bezeichnen. Wegen dieser Ordnungswidrigkeiten bin ich sehr oft mit dem Ordnungsamt in Kontakt. Ich weiss nicht, wer den Sperrmüll ablagert, eventuell sind es Personen von außerhalb?

 

Auch die vorhandene und demnächst noch steigende Zahl der Zuwanderer aus Osteuropa ist ein Thema, das vielen Bewohnern des Sanierungsgebiets Sorgen macht. Ich kann dazu folgendes sagen: Von der Zuwanderung sind alle Städte und Stadtteile betroffen. Prinzipiell sind die Menschen willkommen. Aber eine Integration gelingt nur, wenn man ihnen eine menschenwürdige Arbeit und Unterkunft geben kann. Leider sind diese Voraussetzungen nicht immer erfüllt.

 

Wenn ich mir die Erfolge der Sanierung West seit dem Jahr 2001 anschaue, so konnte bisher einiges bewegt werden. Mit den Rahmenplanfortschreibungen für den nördlichen Teil des Sanierungsgebiets (2010) und für den südlichen Teil (2013) wurden die anfänglichen Ziele konkretisiert und aktualisiert. Gefreut habe ich mich über die intensive Beteiligung der Eigentümer und Bewohner des Stadtteils an den Diskussionen. Denn für mich ist es grundlegend wichtig, dass miteinander gesprochen wird. Auch ich bin jederzeit für die Bürger erreichbar. Bei der Präsentation der bisher erreichten Sanierungsziele habe ich mich darüber gefreut, dass infolge der öffentlichen Investitionen von 1,3 Mio. Euro von den Bürgern Privatinvestitionen im Verhältnis 1:10 ausgelöst wurden. Hier nicht mit eingerechnet sind die Kosten der Bahn für die Lärmschutzwand (1,8 Mio. Euro für den Streckenabschnitt in West). Diese Lärmschutzwand war ein Sanierungsziel. Und ich bin dankbar dafür, dass sie endlich realisiert werden konnte. Ich freue mich außerdem über die zahlreichen modernisierten Häuser (bisher 70 Gebäude mit über 250 Wohnungen) und auch die Blockentkernungen und Entsiegelungen, wodurch die Wohnqualität angehoben worden ist (bisher 15 Ordnungsmaßnahmen wie zum Beispiel Abbrüche von Rückgebäuden oder Entsiegelungsmaßnahmen). Zwei Neubauten sind errichtet worden. Eigentlich müsste in der Valentin-Bauer-Straße 19, wo seit anderthalb Jahren die leere Baugrube offen daliegt, der dritte Neubau stehen. Ich finde es verantwortungslos, dass es hier nicht weitergeht und die Baulücke - wie vertraglich vereinbart - geschlossen wird.

 

Was die Nutzungen anbelangt, so konnte durch die Rahmenplanfortschreibung erreicht werden, dass sich in der Valentin-Bauer-Straße künftig keine weiteren gastronomischen Einrichtungen mehr niederlassen dürfen. Außerdem ist es in dem Teil der Frankenthaler Straße, welcher im Sanierungsgebiet liegt, künftig nicht mehr möglich, dass sich dort weitere Gebrauchtwagenhändler und Autoreparaturwerkstätten ansiedeln.

 

Von der Stadtneuerung geplant sind in Zukunft neben weiteren Modernisierungs- und Ordnungsmaßnahmen auch die Umgestaltung des Straßenraumes Ecke Gudrun-/Margarethenstraße und eventuell auch Verkehrsberuhigungsmaßnahmen im Reihenhausgebiet. Es sollte daher seitens der Verwaltung auch in Zukunft alles versucht werden, um weitere Mittel aus dem Programm Soziale Stadt vom Land zu bekommen.

 

Abschließend möchte ich betonen, dass es mir ein ganz wichtiges Anliegen ist, dass der Pennymarkt, falls er aus Platzgründen seinen derzeitigen Standort in der Frankenthaler Straße verlassen will, einen neuen Standort im Sanierungsgebiet findet. Es wäre eine Katastrophe, wenn kein Einkaufsmarkt mehr da wäre. Denn wir haben nicht nur junge Familien, sondern auch viele ältere Bürger im Sanierungsgebiet West. Ich bitte daher alle damit befassten Stellen der Stadtverwaltung, sich für den Verbleib des Pennymarktes im Sanierungsgebiet West einzusetzen.

 

(Quelle: Informationen zum Sanierungsgebiet West, Ausgabe 3/2014)

 

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