Jutta Steinruck erobert Rathaus für SPD zurück

Kommunales

Nach 16 Jahren stellt die SPD wieder das Oberhaupt der zweitgrößten Stadt in Rheinland-Pfalz. Die Sozialdemokratin Jutta Steinruck hat gestern die OB-Stichwahl klar mit 58,1 Prozent der Stimmen gewonnen und ihren CDU-Konkurrenten Peter Uebel (41,9 Prozent) deutlich geschlagen.

Schon im ersten Wahlgang vor drei Wochen lag die 55-jährige Europaabgeordnete Steinruck mit 8,2 Prozentpunkten klar vorne, bei der Stichwahl gestern distanzierte sie ihren Konkurrenten noch deutlicher. Am Ende ging sie mit gut 16 Prozentpunkten Vorsprung über die Ziellinie. Der Jubel bei der Ludwigshafener SPD war riesengroß.

Die niedrige Wahlbeteiligung von 34,8 Prozent machte alle politischen Lager nach der Schließung der Wahllokale nervös. Doch das Rennen um die Nachfolge von Oberbürgermeisterin Eva Lohse (61, CDU) war von Anfang an eine klare Sache. Steinruck gewann in 13 von 14 Stadtteilen. „Ich freue mich wahnsinnig, das ist der Lohn von zwei Jahren harter Arbeit. Jetzt werden die Ärmel hochgekrempelt“, sagte die Wahlsiegerin, die bis in die Nacht mit ihrem Team ausgelassen feierte.

Die Sozialdemokratin wird im Januar das Amt von Eva Lohse übernehmen, die sich nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl gestellt hatte. Damit wird die SPD wieder das Ludwigshafener Stadtoberhaupt stellen – wie dies von 1945 bis 2001 der Fall war.

Im Stadtrat bilden die Sozialdemokraten mit der CDU eine große Koalition, die bis zur Kommunalwahl 2019 vertraglich vereinbart ist. Steinruck hat im Wahlkampf gesagt, dass sie danach andere Mehrheiten ausloten wolle. Der Ludwigshafener CDU-Chef Ernst Merkel befürchtet einen „Linksruck“ in der Stadt, die angesichts ihrer desolaten Finanzlage (1,2 Milliarden Euro Schulden) auf stabile Mehrheiten angewiesen sei. Bei der CDU herrschte gestern Abend Katerstimmung. „Ich hätte mir mehr erhofft. Die SPD hat mehr Wähler mobilisiert. Das ist uns nicht gelungen. Vielleicht hat es eine Wechselstimmung gegeben“, sagte der unterlegene Kandidat Peter Uebel. Der 53-jährige Mediziner wird nun sein Ärztehaus in Ludwigshafen weiterbetreiben.

Nicht nur in Ludwigshafen wurde ein neuer Oberbürgermeister gewählt: In Koblenz tritt David Langner die Nachfolge von Joachim Hofmann-Göttig als Oberbürgermeister an. Gesundheitsstaatssekretär Langner, der als Unabhängiger antrat, holte in der Stichwahl gegen Bert Flöck (unabhängig) 69,8 Prozent der Stimmen.

(Rheinpfalz vom 16.10.2017)