Interview mit David Schneider

Kommunales

Interview mit David Schneider:

“OB Lohse repräsentiert zu viel und regiert zu wenig”

Unmittelbar nach seiner Wahl haben wir mit dem neuen SPD-Chef David Schneider gesprochen.

Lassen Sie uns teilhaben an Ihrer Gefühlswelt – wie geht’s Ihnen?

Ich freue mich unheimlich. Das Ergebnis hat mich in seiner Deutlichkeit sehr überrascht. Ich bin – wie viele andere – davon ausgegangen, dass das ein engeres Rennen wird.

 

Sie hatten prominente Unterstützer. Sogar der Unterbezirk AG 60plus hat Sie einstimmig empfohlen. War das eine Vorentscheidung?

Nein. Es kommt auch auf die Tagesform an, wie man sich präsentiert und was man programmatisch vorlegt. Bis zum Wahlabend war nichts entschieden. Aber ich empfand diese generationenübergreifende Unterstützung als sehr positiv.

 

Was hat den Ausschlag gegeben?

Ich denke, ich konnte bei den Delegierten mit meinen sieben zentralen Forderungen punkten: Partei-Profil schärfen, Beteiligung stärken, Wissen teilen, Ressourcen nutzen, Gutes tun, darüber reden sowie gute Aussichten schaffen. Ich habe konkrete Vorschläge gemacht, was ich mir vorstelle, wie ich eine Diskussionskultur in der Partei etablieren und wie ich ihr gemeinsam mit allen Mitgliedern erkennbare Konturen geben will. Ich glaube, das hat am Ende eine große Rolle gespielt.

 

Profil schärfen – heißt das im Umkehrschluss eine stärkere Abgrenzung vom Koalitionspartner CDU?

Ja. Trotz der besiegelten Zusammenarbeit muss die Handschrift der SPD, der stärksten Kraft im Stadtrat, noch deutlicher werden.

 

Wie kann das gelingen?

Indem wir die sozialen Themen, die in der Stadt dringend behandelt werden müssen, stärker in den Vordergrund rücken. Die CDU ist einerseits unser Partner, aber auch ein politischer Mitbewerber.

 

Wie Ihr Mitbewerber Markus Lemberger haben Sie kein gutes Haar an CDU-Oberbürgermeisterin Eva Lohse gelassen. Was macht sie falsch?

Nachdem, was ich wahrnehme und was mir viele bestätigen, repräsentiert sie mehr als dass sie regiert. Ich will keine Oberbürgermeisterin, die vor Ort wenig präsent ist und die nicht die Probleme der Gesamtbevölkerung der Stadt im Auge hat.

 

Treten Sie 2017 gegen Lohse an?

Daran denke ich nicht. Die SPD hat viele Klasse-Kandidaten. Das besprechen wir zu gegebener Zeit.

 

Was haben Sie von Ihrem Vorgänger Wolfgang van Vliet gelernt?

Er hat gezeigt, wie man eine Partei führen kann, und hat einen maßgeblichen Anteil daran, dass die SPD seit 2009 wieder stärkste politische Kraft in der Stadt ist. Ich hätte mir an der einen oder anderen Stelle mehr Raum für Diskussionen gewünscht.

 

Jetzt schaltet die SPD auf Angriff, hat Wolfgang van Vliet nach Ihrer Wahl gesagt. Mit David Schneider als Stoßstürmer – oder wie meint er das?

Damit will er ausdrücken, dass ich ein sehr unabhängiger Vorsitzender sein werde. Als Bürgermeister war er ja sehr eng im Stadtvorstand eingebunden. Diese Fesseln habe ich nicht. Das heißt nicht, dass die Zusammenarbeit mit der CDU schlechter wird. Aber es muss erkennbar bleiben, wofür die SPD steht.

 

Studieren und parallel eine Partei führen: Kann das funktionieren?

Das ist kein Problem. Ich habe mir diesen Schritt reiflich überlegt und darüber sehr ausführlich mit meiner Familie sowie politischen Mentoren gesprochen. Ich kann das. Davon bin ich überzeugt.


(Rheinpfalz vom 25. Juni 2014)