David Schneider neuer SPD-Chef

Stadtverband

Vorstandswahlen: Ex-Jusovorsitzender gewinnt Kampfabstimmung gegen Lemberger / Anke Simon als Stellvertreterin / „Bei OB Lohse ist der Lack etwas ab“

24-jähriger David Schneider neuer SPD-Chef

"Mit einem so deutlichen Sieg habe ich nicht gerechnet, da bin ich etwas sprachlos", zeigte sich der neue SPD-Vorsitzende David Schneider überrascht. Der 24-jährige ehemalige Juso-Vorsitzende setzte sich in einer Kampfabstimmung bei der Stadtverbandskonferenz in Ruchheim mit 60 zu 27 Stimmen gegen den 52-jährigen Markus Lemberger, Vorsitzender des Ortsvereins Niederfeld, durch. Auf eine Wiederwahl als Parteichef hatte Wolfgang van Vliet verzichtet und dies mit der terminlichen Belastung durch sein Amt als Bürgermeister begründet.

Während er und Fraktionschefin Heike Scharfenberger keine Empfehlung für einen Nachfolger aussprachen, unterstützten andere prominente Sozialdemokraten David Schneider. Europaabgeordnete Jutta Steinruck bezeichnete ihn als strategischen Kopf. "Zudem hat er als Jusovorsitzender gezeigt, dass er motivieren kann". Auch in anderen Städten in Rheinland-Pfalz hätten junge Parteimitglieder Spitzenpositionen der SPD übernommen.

Die Landtagsabgeordnete Anke Simon sah in der Wahl Schneiders ein Zeichen dafür, dass die Partei die junge Generation stark berücksichtige. Auch mit Blick auf die OB-Wahl 2017 ergänzte sie, dass dieser politisch "viel freier agieren" könne als Lemberger, der bei der städtischen Lukom beschäftigt ist.

Schneider ist Lehramtsstudent für Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik in Heidelberg, Schriftführer im SPD-Stadtvorstand und wohnt in Süd. 2003 trat er in die Partei ein, sieben Jahre lang war er Juso-Chef. Er sei ein "richtiger Schaffer, der auch nachts beim Plakatkleben hilft, sowie eine Integrationsfigur", sagte Lorena Schmitt, Chefin des Ortsvereins Süd. Stefan Klee warb indes für Lemberger, der berufliche Erfahrungen vorweisen könne und ein guter Wahlkampfleiter gewesen sei. Ingrid Reske sprach sich namens des Vorstands der SPD-Senioren für Schneider aus.

Unstrittig war indes die Besetzung der anderen Vorstandsposten: Anke Simon löste als neue Stellvertreterin die Bundestagsabgeordnete Doris Barnett ab. Beigeordneter Dieter Feid blieb Kassierer, Christian Schreider wurde Schriftführer.

Schneider will vor allem das Profil der Partei schärfen, die Mitglieder stärker beteiligen und neue Veranstaltungsreihen etablieren. Ferner will er Expertenteams zu ausgewählten Themen aufbauen und dabei auch auf Personen, die der Partei "nahestehen", zurückgreifen.

Kritisch äußerte er sich über die Amtsführung von OB Eva Lohse. Sie solle mehr vor Ort präsent sein und sich um die dringenden Probleme kümmern. Lemberger vermisste einen Masterplan für die Innenstadt. Van Vliets Einschätzung lautet: "Bei der OB ist der Lack etwas ab."

(Mannheimer Morgen vom 25. Juni 2014)